Die Geschwindigkeit, mit der Künstliche Intelligenz auch bayerische Arbeitsplätze verändert, ist rasant. Wer beim Thema KI noch die Dampfmaschine als Vergleich hinzuzieht, der hat die Zeichen der Zeit verschlafen. Generative KI krempelt nicht nur einzelne Branchen um: Sie greift in Sprache, Analyse, Programmierung und Entscheidungsprozesse ein. Aufhalten lässt sich diese Entwicklung nicht – aber sie lässt sich gestalten. Die bayerischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Carolin Wagner und Johannes Schätzl, Mitglieder des Digitalausschusses, stellen dazu nun Vorschläge vor:
Johannes Schätzl, MdB: „Wir sehen, dass vor allem mittlere Qualifikationen unter Druck stehen, denn KI kann erstmals auch kognitive Leistungen von Menschen automatisieren. Technische Fortschritte können aber nicht verboten werden, und das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen stattdessen, dass klare KI-Regeln eingeführt werden, die effektive Mitbestimmungsrechte für Arbeitnehmer ermöglichen. KI darf nicht zu einem unsichtbaren Kollegen werden, der irgendwann den Job übernimmt. Außerdem darf KI niemals zum Vorgesetzten werden, der ohne menschliche Kontrolle Leistungsbewertungen durchführt. Beschäftigte brauchen Rechte, die ihnen ganz klar Auskünfte oder Wiedersprüche ermöglichen. Hier ist es unsere Aufgabe, gesetzliche Lücken zu schließen, damit der Einsatz von KI am Arbeitsplatz tatsächlich als Unterstützung und Verbesserung wirken kann.“
Dr. Carolin Wagner, MdB: "Klar ist: Unsere Arbeitsplätze werden sich verändern – und mit ihnen die Anforderungen und Qualifikationen. Wer jetzt nicht in Umschulungen, Weiterbildungen und lebenslanges Lernen investiert, verspielt die Zukunftsfähigkeit unserer Beschäftigten. Hier müssen wir als Staat Hand in Hand mit den Unternehmen arbeiten: Es gilt, ein allgemeines Recht auf geförderte Weiterbildung durchzusetzen, die notwendigen Transformationsagenturen aufzubauen und die entsprechenden Strukturen in der Bundesagentur für Arbeit zu festigen. Besonders im Blick haben wir zudem unsere dringend gebrauchten Nachwuchskräfte: Wir sehen, dass KI zunehmend Einstiegsaufgaben in Unternehmen ersetzt, die eigentlich von Berufsanfängern bearbeitet werden. Dadurch fallen aber wichtige Stellen für Jobanfänger weg und es fehlt die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Für größere Unternehmen könnten wir deshalb über eine KI-Nachwuchsgarantie nachdenken: Wenn die Zahl qualifizierter Einstiegsstellen deutlich sinkt, muss der Betrieb bezahlte Berufseinsteigerprogramme oder zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. Davon profitieren am Ende alle Beteiligten."