Stand: Januar 2009

Mehr Chancengerechtigkeit - mehr Aufstieg durch Bildung!

Auf der einen Seite gibt es einen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. So klagen traditionell starke Branchen wie der Maschinenbau über Tausende unbesetzte Ingenieurstellen. Auf der anderen Seite gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten. Die demographische Entwicklung verschärft den Mangel an Fachleuten: Bereits im Jahr 2014 könnten 500.000 Akademikerinnen und Akademiker fehlen. Gleichzeitig werden sich die Chancen für Geringqualifizierte verschlechtern.

Wenn es um den Mangel an Fachkräften geht, wird der Unternehmerchor immer lauter mit Forderungen an die Politik. Dabei ist das Problem auch hausgemacht: Die einen Unternehmen bilden zu wenig aus, die anderen sind nicht bereit Frauen sowie ältere Fachkräfte einzustellen. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Bildung: Daher müssen die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem, der Zugang zu Lehrstellen und zu ausreichender Weiterbildung verbessert werden. Dem Fachkräftemangel ließe sich vorbeugen, wenn mehr Menschen ihre Fähigkeiten und Chancen entwickeln könnten.

Was will die SPD?

„Wer die Fachkräftebasis von morgen sichern will, muss heute die Teilhabechancen der Menschen verbessern, für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem sorgen und mehr Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung eröffnen. Es gilt, alle Potenziale in unserer Gesellschaft optimal auszuschöpfen.“
Christel Humme und Ludwig Stiegler (beide SPD), stellv. Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion1

Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen wir zuerst die Potenziale nutzen, die in unserer Gesellschaft stecken. Alle Menschen - unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern - müssen eine gute Ausbildung bekommen. Unser Ziel ist es, mehr Menschen bessere Bildung zu ermöglichen, die Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhalten und die Erwerbsbeteiligung von Bevölkerungsgruppen zu steigern, deren Potenziale bisher unvollständig ausgeschöpft wurden (v.a. Frauen und Ältere) oder die in unserem Bildungs- und Beschäftigungssystem strukturell benachteiligt sind (z.B. Migrantinnen und Migranten). Die wichtigste Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel besteht darin, gleiche Chancen auf gute Bildung, gute Arbeit und lebenslanges Lernen für alle Menschen zu verwirklichen.

Wir fordern ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Wir wollen den Rechtsanspruch auf das Nachholen eines Hauptschulabschlusses durchsetzen, das Meister-BAföG reformieren und beruflich Qualifizierten ohne Abitur den Hochschulzugang ermöglichen. Wir setzen uns dafür ein, dass der Zugang zu Studium und Ausbildung durchlässiger wird, und dass Jugendliche und Erwachsene eine zweite Chance bekommen, wenn sie einen Abschluss nachholen oder in einen anderen Beruf wechseln wollen. Es gibt viele Wege, dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Dafür kämpfen wir.

Was wollen CDU/CSU?

„Wir haben kaum Weiterbildung in deutschen Betrieben, da kann man nicht einfach sagen, was wir nicht haben, holen wir uns aus dem Ausland. Das ist Bildungsimperialismus.“
Michael Sommer, DGB-Vorsitzender2

Der Union fällt vor allem durch Schnellschüsse auf, wenn es um Lösungen gegen den Fachkräftemangel geht. Entweder fordert die CDU-Bundesbildungsministerin Annette Schavan das schnelle Einkaufen von ausländischen Spitzenkräften, statt die Verbesserung von Ausbildung und Weiterbildung im eigenen Land in die Hand zu nehmen und die Menschen hier auszubilden.

Oder die Union sucht nach Lösungen, die auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgetragen werden: Zum Beispiel forderte der Wirtschaftsrat der CDU eine Bildungsoffensive, die einen Schwerpunkt auf die Weiterbildung legt. Das klingt gut, hätte Wirtschaftsrat-Präsident Kurt Lauk die Beschäftigten nicht dazu aufgefordert, ihren Urlaub dafür zu opfern: „Der Arbeitnehmer investiert durch Urlaubstage, der Arbeitgeber investiert durch die Übernahme der materiellen Kosten“, so Lauk.

Auch von einem Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss will die Union nichts wissen: CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder hatte in einem Schreiben an Kanzleramtschef Thomas de Maizière diesen Vorstoß der SPD-Bundestagsfraktion abgelehnt. So viel zum Thema Bildungsoffensive.

Was entwickelt sich?

Die SPD-Bundestagsfraktion hat im Juni 2008 einen umfangreichen Maßnahmenkatalog gegen den fortschreitenden Fachkräftemangel vorgelegt. Eine Projektgruppe unter Vorsitz von Ludwig Stiegler und Christel Humme fordert einen Rechtsanspruch auf das Nachholen des Hauptschulabschlusses, die Wiedereinführung des Schüler-BAföG ab der 11. Klasse und die Schaffung von 200.000 zusätzlichen Studienplätzen bis 2015 im Rahmen des Hochschulpaktes II. Das sind die Kernpunkte des Maßnahmenkatalogs, der noch vor der Bundestagswahl 2009 umgesetzt werden soll.


Ludwig Stiegler besucht an Silvester die diensthabenden Feuerwehrleute


  1. Pressemitteilung, 17. Juni 2008 

  2. ARD-Morgenmagazin, 27. Juni 2007 

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